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“Testing at its Best” – Rückblick auf die EuroSTAR 2026 in Oslo 

 4. August 2026

Qualität vor Quantität: das Prinzip hinter dem Programm

Die EuroSTAR gilt als Europas führende Konferenz für Software Testing. Dass sie diesen Ruf verdient, zeigte die diesjährige Ausgabe in Oslo eindrucksvoll. Unter dem Motto „Testing at its Best“ standen vor allem die Qualität der Vorträge, deren Relevanz und Mehrwert für die Community im Vordergrund.

Das Programmkomitee – darunter renommierte Expert:innen wie Elmar Jürgens und Richie Seidl – stand vor der anspruchsvollen Aufgabe, aus insgesamt 527 Einreichungen die besten 50 für die Bühne auszuwählen. Dieses Verhältnis von etwa 10:1 spricht für sich: Exzellenz entsteht nicht zufällig, sondern durch konsequente Qualitätssicherung – ein Grundsatz, der nicht nur in der Konferenzgestaltung, sondern auch im professionellen Alltag jedes Testers gilt.

KI is All Around – Authentizität als entscheidender Faktor

Ein zentrales Thema, das die gesamte Konferenz durchzog und längst auch unseren beruflichen Alltag prägt: Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig. KI-generierte Texte werden technisch immer ausgereifter – und doch bleibt ein entscheidender Unterschied sichtbar:
Echte Erfahrungen, konkrete Learnings und gelebte Praxis lassen sich nicht künstlich erzeugen.

Authentische Geschichten aus der Praxis gewinnen – das war die eindeutige Botschaft aus dem Publikum und aus den Gesprächen am Rande der Veranstaltung. In einer Welt, in der Content auf Knopfdruck verfügbar ist, wird das Echte zum Alleinstellungsmerkmal.

Generierte Texte werden immer besser – doch echte Erfahrungen und gelebte Praxis lassen sich nicht künstlich erzeugen. Authentische Geschichten gewinnen.

Drei Jahrzehnte Software-Testing: Wolfgang Platz setzt Maßstäbe

Zu den absoluten Höhepunkten zählte die beeindruckende Keynote von Wolfgang Platz (Tricentis), der unter dem Titel „3 Decades of SW Testing – from Start-Up to Global Leader” eine faszinierende Reise durch die Evolution des Software-Testings unternahm. Sein Vortrag war nicht nur eine historische Rückschau, sondern auch ein Kompass für die Zukunft der Branche – und ein lebendiges Zeugnis dafür, wie konsequente Qualitätsorientierung ein Unternehmen vom Wiener Start-up zum globalen Marktführer machen kann.

Prägende Bilder und starke Metaphern

Die EuroSTAR 2026 lieferte eine Reihe einprägsamer Bilder und Metaphern, die noch lange nachhallen werden:

Der Reiter auf dem Elefanten – KI als Chance und Risiko

Chris Amber zeichnete ein treffendes Bild der Rolle von KI in unserem Arbeitsalltag: “We are Riders of an Elephant (AI).” Solange wir aktiv die Zügel in der Hand halten, lassen sich mit KI unglaubliche Ergebnisse erzielen. Verlieren wir jedoch die Kontrolle – entgleiten uns die Zügel – sind wir nur noch passive Passagiere, die dem Elefanten folgen, wohin er will. Eine Warnung und eine Einladung zugleich: aktiv gestalten statt reaktiv hinterherlaufen.

KI Elefant

We are Riders of an Elephant (AI) – solange wir die Zügel halten, erzielen wir unglaubliche Ergebnisse. Entgleiten sie uns, sind wir nur noch Passagiere. – Chris Amber

Schnellere Pferde oder ein Automobil? – Denken jenseits des Offensichtlichen

Ebenso nachhaltig wirkte der Beitrag von Donar Sakar (Microsoft), die Henry Ford die Aussage in den Mund legte: „If I’d asked people what they wanted, they would have said faster horses.” Ford dachte out-of-the-box und erfand das erste für die breite Masse erschwingliche Automobil – eine Erfindung, die unser Leben revolutionierte.

Viele aktuelle Strömungen in der IT Branche – und darüber hinaus – erinnern derzeit bedenklich an den „Faster-Horse-Ansatz”: Man optimiert das Bestehende, anstatt „Neu zu denken“.

Jetzt gilt es, die Welle zu reiten, die eigene Erfahrung und die derzeit nur vage erahnbaren Möglichkeiten von KI als Hebel zu nutzen und mit modernem Denken aktiv die Zukunft zu gestalten. Wer heute die Weichen richtig stellt, wird morgen die Richtung bestimmen.

Österreichische Präsenz und ISTQB-Netzwerk

Als Vertreter des ATB (Austrian Testing Board) war ich vor Ort – und als „alter EuroSTAR-Hase” in der glücklichen Lage, mein breites, internationale Netzwerk um rund 40 österreichische Teilnehmer:innen zu erweitern, die in Oslo vertreten waren – ein erfreuliches Zeichen für die Vitalität der heimischen Testing-Community.

Besonders wertvoll waren die Gespräche mit Freund:innen und Kolleg:innen aus der internationalen ISTQB-Welt (Länder Boards) – ein offener Austausch über aktuelle Entwicklungen rund ums ISTQB-Zertifizierungsprogramm, neue Lehrpläne und die strategische Ausrichtung des ISTQB. Solche Begegnungen – jenseits von Zoom-Calls und E-Mail-Threads – erinnern daran, warum Präsenzkonferenzen auch im digitalen Zeitalter unersetzlich sind.

Fazit: Qualität, Authentizität und der Mut zur Veränderung

Die EuroSTAR 2026 in Oslo war mehr als eine Fachkonferenz – sie war ein Spiegel der Branche und ein Impulsgeber für die Zukunft. Die zentralen Botschaften lassen sich auf drei Punkte zusammenfassen:

  • Qualität ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis konsequenter Arbeit und mutiger Entscheidungen.
  • KI verändert unsere Arbeitswelt – wer die Zügel hält, profitiert; wer sie loslässt, verliert die Gestaltungsmacht.
  • Echte Erfahrung und menschliche Authentizität sind und bleiben der entscheidende Wettbewerbsvorteil gegenüber maschinell generiertem Content.

Die Community hat gesprochen – und die Botschaft ist klar: Testing at its Best bedeutet, nicht nur Software, sondern auch das eigene Mindset kontinuierlich zu testen, zu hinterfragen und zu verbessern. Ich freu mich schon riesig auf die nächste EuroSTAR 2027 in Kopenhagen!

Helmut Pichler
Berichtet von Helmut Pichler, ATB-Vertreter auf der EuroSTAR 2026 in Oslo