Einfluss von Quality Engineering
Ziel 4: Hochwertige Bildung
SDG 4 zielt darauf ab, eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung zu gewährleisten sowie Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle zu fördern.
Ein professionelles Zertifizierungssystem für Quality Engineering unterstützt die Ziele 4.3 (Zugang zu erschwinglicher und hochwertiger technischer Bildung) und 4.4 (Erhöhung der Anzahl von Erwachsenen mit relevanten technischen Kompetenzen). Zudem wirkt es sich positiv auf die Förderung von IT-Technologien in Entwicklungsländern aus (Ziele 4.B und 4.C). Die Einbeziehung von Nachhaltigkeitsaspekten in die Lehrpläne verbessert die Ausbildung von Testern und hilft ihnen, ihren CO2-Fußabdruck zu verringern.
Quality Engineering – insbesondere im Kontext von Bildung, Software und organisatorischen Prozessen – kann auf vielfältige Weise eine bedeutende positive Wirkung entfalten:
- Verbesserung der Bildungsqualität durch die Sicherstellung der Qualität digitaler Lernplattformen, Bildungssoftware und Bewertungssysteme
- Förderung von Chancengleichheit und Inklusion durch die Überprüfung von Barrierefreiheitsfunktionen sowie die Reduzierung von Verzerrungen (Bias) in Algorithmen und digitalen Bewertungsverfahren
Ziel 7: Bezahlbare und saubere Energie
SDG 7 zielt darauf ab, den Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie zu gewährleisten.
Wie im vorangegangenen Teil dieses Blogs dargelegt, hat der IKT-Sektor einen erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch. Verschiedene Aspekte des Quality Engineering wirken sich maßgeblich auf das Ziel 7.3 (Verbesserung der Energieeffizienz) aus – sowohl durch einen geringeren Energieverbrauch bei Softwaretests als auch durch die Entwicklung energieeffizienterer Software.
- Viele Aktivitäten im Bereich Quality Engineering beeinflussen den Energieverbrauch (Teststrategie, systematische Testmethoden, Testautomatisierung, Wiederverwendbarkeit und Wartbarkeit von Testartefakten usw.).
- Lasttests (Performance-Tests) verbrauchen große Mengen an Bandbreite, Energie und anderen Ressourcen. Daher ist es wichtig, bei der Planung der Strategie für Lasttests die Ressourceneffizienz zu berücksichtigen.
- Testautomatisierung kann Energie einsparen, etwa durch die Verkürzung der Testausführungszeit. Andererseits kann eine ungünstige Automatisierungsstrategie auch Energie verschwenden, beispielsweise wenn irrelevante Testfälle in jedem einzelnen Testlauf wiederholt werden.
- KI verbraucht enorme Mengen an Energie. Daher muss die Entwicklung energieeffizienter KI-Systeme ein Schwerpunkt des KI-Quality-Engineering sein.
- Der Einsatz von KI im Quality Engineering ist aufgrund des hohen Energieverbrauchs problematisch. Er bietet jedoch auch das Potenzial zur Energieeinsparung, indem zeitintensive Aufgaben wie die Erstellung oder Wartung von Testfällen beschleunigt werden.
- Modellbasiertes Testen ist besonders vorteilhaft, um den Aufwand für die Wartung von Testfällen zu reduzieren.
- Die Anwendung systematischer Testmethoden anstelle redundanter oder zufälliger Tests steigert die Effizienz der Testaktivitäten.
- Verbesserung der Bildungsqualität durch die Sicherstellung der Qualität digitaler Lernplattformen, Bildungssoftware und Bewertungssysteme
- Die Entscheidungen des Testmanagers wirken sich auf alle genannten Bereiche aus. Daher sollte sich der Testmanager stets der Auswirkungen auf die Energieeffizienz bewusst sein.
Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
SDG 8 zielt darauf ab, dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle zu fördern.
Die Ziele 8.2 (höhere wirtschaftliche Produktivität) und 8.4 (Verbesserung der weltweiten Ressourceneffizienz) werden durch verschiedene Aspekte des Quality Engineering unterstützt. Zudem wirkt sich ein Zertifizierungssystem positiv darauf aus, Menschen den Zugang zu Bildung und menschenwürdigen Arbeitsplätzen zu ermöglichen (Ziele 8.5 und 8.6).
Quality Engineering kann dieses Ziel auf wirtschaftlicher, sozialer und organisatorischer Ebene positiv beeinflussen:
- Verbesserung der Produktqualität und der wirtschaftlichen Stabilität
- Unterstützung von Innovation und digitaler Transformation
- Schaffung und Erhalt hochwertiger Arbeitsplätze
- Gewährleistung eines ethischen und verantwortungsvollen Umgangs mit Technologie
Ziel 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur
SDG 9 konzentriert sich auf den Aufbau widerstandsfähiger Infrastrukturen, die Förderung einer inklusiven und nachhaltigen Industrialisierung sowie die Stärkung von Innovationen.
Wie bereits bei den Zielen 4 und 7 erläutert, kann ein Zertifizierungssystem für Quality Engineering die technischen Kapazitäten von Entwicklungsländern verbessern und die Ressourceneffizienz fördern (Ziele 9.4 und 9.5).
Quality Engineering spielt eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung dieses Ziels, indem es sicherstellt, dass technologischer Fortschritt zuverlässig, widerstandsfähig und verantwortungsvoll gestaltet wird:
- Aufbau widerstandsfähiger und zuverlässiger Infrastrukturen
- Ermöglichung nachhaltiger Innovationen durch frühzeitige und kontinuierliche Integration von Tests
- Unterstützung einer nachhaltigen Industrialisierung durch Aufdeckung von Ineffizienzen in Produktions- und digitalen Prozessen
- Gewährleistung der langfristigen Wartbarkeit von Systemen
- Sicherstellung und Verbesserung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards
Ziel 13: Maßnahmen zum Klimaschutz
SDG 13 konzentriert sich auf dringende Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen.
Wie bereits im Zusammenhang mit Ziel 7 und in unserer Analyse dargelegt, kann Quality Engineering durch eine verbesserte Energieeffizienz erheblich zur Verringerung der Treibhausgasemissionen beitragen. Zudem würde die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Lehrpläne für Quality Engineers die Ausbildung verbessern und das Bewusstsein für Fragen des Klimawandels schärfen.
Ausblick
Der dritte Teil dieses Blogs wird sich der kontroversen Frage „Sustainable Quality Engineering vs. KI“ widmen und Fragen beantworten wie: „Wo liegen die Konfliktbereiche?“ und „Welche Synergien und Chancen ergeben sich daraus?“.
Die D.A.CH-Boards des ISTQB beschäftigten sich derzeit mit dem Thema „Nachhaltiges Quality Engineering“. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind Lilia Gargouri und Dietrich Leimsner (GTB), Alessandro Sebaste und Reto Armuzzi (STB), sowie Armin Beer und Stefan Mohacsi (ATB). Die vorläufigen Ergebnisse wurden in einem White Paper zusammengefasst, das in Kürze auf der ISTQB-Homepage veröffentlicht werden soll. Dieser Blog bietet in 3 Teilen eine exklusive Vorschau auf die Inhalte.
